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Merle-Faktor
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Netti
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Beitrag1/5, Verfasst am: 30.08.2015, 20:31   

Betreff:   Merle-Faktor
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Merle ist inzwischen ein sehr beliebter und in letzter Zeit häufig gezüchteter Effekt. Aber es ist auch eine der umstrittensten Mutationen überhaupt. Dabei werden seitens der Tierschützer, aber auch einzelner Züchter Stimmen laut, welche Merle in die Rubrik Qualzucht einordnen.
Wer noch keinen Grund hatte, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen wird sich fragen, wie Merle überhaupt aussieht und was daran so gefährlich sein soll. Deshalb dazu hier einige Informationen.

Merle zeigt sich durch Scheckungen mit verdünntem, d.h. hellerem Fell als die eigentliche Grundfarbe sowie vollen, kräftigen also unveränderten Farben, die in unregelmäßigen, zerrissenen Flecken verteilt sind.

Hier ein Bild eines blue-merle Australian Shepherd (Quelle Wikipedia):



Ohne jetzt zu speziell auf die Genetik einzugehen, kommt man nicht umhin einige Punkte zu wissen, um die Entstehung von Merle zu verstehen und in etwa nachvollziehen zu können.

Deshalb eine kurze Erläuterung dazu:

BegriffBedeutung

Gene
Erbanlagen - sie sind für die Ausbildung verschiedener Merkmale verantwortlich und genetisch bedingt

alleles Genpaar
es gibt für ein bestimmtes Gen 2 Allele

allele Genserie
es sind mehrere Allele beteiligt

Lokus
auch Locus, Genlocus oder Genort genannt ist die Position eines Gens in einem Chromosom; verschiedene Genloki ergeben eine Genkarte im Organismus

Allel
Variante eines Gens in einem bestimmten Genlokus

homozygot/reinerbig
ein Paar mit zwei gleichen Allelen

heterozygot/mischerbig
ein Paar mit ungleichen Erbanlagen

dominant-rezessive Vererbung
es gibt ein dominantes und ein unterdrücktes Allel

Genotyp
Gesamtheit aller Erbanlagen

Phänotyp
äußeres Erscheinungsbild

Eumelanin/Phäomelanin
Eumelanin (schwarz und braun) und Phäomelanin (gelb/rot) sind Pigmentarten / Farbstoffe (Melanine) und bestimmen die Fellfarbe gemeinsam in unterschiedlicher Verteilung



Das Merle-Gen ist eine Mutation und befindet sich auf dem Chromosom CFA10 im Silver Locus Gen (Pmel17 und SILV). Dabei stört dieses genetische Element die Funktion des SILV-Gens. Dort wo das mutierte Gen heterozygot vorhanden ist entsteht die Merlemusterung.

Somit kann man festhalten, dass die Merle-Zeichnung nur aufgrund eines genetischen Defektes entsteht!

Weiterhin hellt das Gen nur Eumelanin auf. Aus schwarzem Fell wird z.B. grau, graublau, hellblau oder rotstichiges Fell. Die Augen werden braun, einfarbig blau oder ein Auge blau, das andere braun. Z.B. hat der Hund im obigen Bild ein silbergraues Fell mit schwarzer Sprenkelung und wahrscheinlich blaue Augen. Die Fehler in diesen Erbanlagen führen zu Pigmentanomalien an Haut, Auge, Haar und /oder Ohr.

Phäomelanin dagegen wird nicht beeinflusst. So werden also Bereiche, für die das Phäomelanin verantwortlich ist, nicht aufgehellt und behalten ihre ursprüngliche Farbe. Allerdings heißt das, dass Hunde, welche ohnehin diese Farbe haben, Merle-Träger sein können ohne dass man es sieht.

Soweit die vereinfachte Beschreibung dessen, was sich im Körper abspielt um diesen Effekt entstehen zu lassen.

Nun aber gehen wir mal zu dem eigentlichen Problem über, nämlich den Folgen und Gefahren:

Durch die Aufhellung an Augen und Ohren können Missbildungen / Fehlbildungen entstehen, welche in den meisten Fällen auf Verpaarungsfehler zurückzuführen sind. Infolge dessen entstehen Blindheit, Taubheit, Anomalien des Herzens, des Skeletts, des Pigments sowie mehr oder weniger stark ausgeprägte Hautekzeme. Tiere sterben bereits im Mutterleib ab, bleiben hinter Wurfgeschwistern zurück oder sterben vor Erreichen der Geschlechtsreife an Gehirnmissbildungen oder Herzschäden. Sind z.B. die Augen hell (blau) ist die Wahrscheinlichkeit von Blindheit höher, als bei braunen oder schwarzen Augen. Genauso verhält es sich mit dem Gehör. Ist der Bereich um die Ohren heller bzw. merlegezeichnet, dann ist die Gefahr der Taubheit am größten.

Grundsätzliche Fehler der Verpaarung:

Merle + Merle
Merle + Merle-Träger
Merle-Träger + Merle-Träger (auch vom Phänotyp schwarze Tiere oder "normalaussehende" Tiere können Träger sein)
Merle/Merle-Träger + sehr helle Hunde (z.B. weiß, creme, ...)
Merle/Merle-Träger + andere Verdünnungsfarben (z.B. lilac, isabell, ...)

Ein Verpaarungsfehler ist außerdem festzustellen, wenn mehr als 50 % Merle in einem Wurf vorhanden sind. Optimal sind 25 %. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass diese 25 % auch tatsächlich gesund sind. Das zeigt sich manchmal erst Jahre später.

Weiterhin wird zu wenig darauf geachtet, ob in den weiter zurückliegenden Ahnen einmal Merle-Hunde oder Träger vorhanden waren. Der Partner sollte bestenfalls 8 Generationen frei von Merle sein sowie zusätzlich ein NON-Merle-Attest durch ein Labor (z.B. Laboklin, Biofocus) vorlegen.

Noch zu beachten ist, dass es Phantommerle gibt. D.h., die Merlezeichnung ist ganz zufällig an Stellen zu finden, welche durch weiße oder kupferfarbene Abzeichen überdeckt ist. Genetisch ist dieser Hund ein ganz normaler Merle, nur man erkennt ihn nicht ohne weiteres. Deshalb besteht hier die Gefahr eine Merle + Merle- Verpaarung. Es gibt auch noch den kryptischen Merlehund. Es führt nicht zu einer Merlezeichnung im Phänotyp - aber: es ist genetisch vorhanden.



Traurigerweise ist zu beobachten, dass gerade jene Züchter Merletiere vermehren, welche sich nicht einmal im Ansatz mit der ganzen Problematik beschäftigt haben. Sicher ist all das Gelesene nicht für jeden interessant, zu trocken, zu unverständlich. Und genau das ist der Punkt. Wir alle sind keine Biologen / Genetiker und können eine gezielte und damit gefahrlose Verpaarung nicht planen, da uns dazu einfach das Wissen fehlt. Und Genetiker werden mit Sicherheit keine Merlehunde züchten.

Warum nun dieser Effekt dennoch gezüchtet wird, liegt einfach an dem lieben Geld, welches sich damit gut verdienen lässt. Und unser Tierschutzgesetz ist einfach zu schwammig, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Denn Merlezucht ist Qualzucht!


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Dagmar

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Beitrag2/5, Verfasst am: 06.09.2015, 13:01   

Betreff:
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Ich muss mal was zu blue-merle schreiben. Ich züchte seit 18 Jahren Collies, überwiegend in Blue-merle, weil ich mich in diese Farbvariante einfach verliebt habe und in all den Jahren und ca 50 Blue-merlewelpen ist nicht ein einziger bei gewesen der wegen dem Gen krank geboren oder wurde, haben alle volles Haarkleid.
Mein ältester noch lebender gezüchtete Blue- merle ist jetzt fast 14 Jahre und topfit.
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Beitrag3/5, Verfasst am: 27.01.2016, 12:50   

Betreff:
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Dagmar schrieb wie folgt:
...in all den Jahren und ca 50 Blue-merlewelpen ist nicht ein einziger bei gewesen der wegen dem Gen krank geboren oder wurde,...

Das, liebe Dagmar, ist leider nur der eine Teil der Wahrheit - der den wir augenblicklich konstatieren können.
Was wir nicht wissen ist, wie sich dieser genetische Defekt auf den gesamten Organismus auswirkt und dabei ist es zu kurz gedacht, nur das Jetzt und Morgen zu betrachten. Vielmehr kommt es darauf an, wie sich die Rasse als Ganzes durch die absichtsvolle Infiltration mit dem Defektgen in vllt. 30 oder 50 Jahren entwickelt haben wird. Und das ist nichts, was man mit einer Computersimulation errechnen könnte denn dazu bräuchte man eben ALLE notwendigen Daten / Störfaktoren bis hin zu Fruchtbarkeitsstörungen und Mortalität der Welpen, nicht zu vergessen jene Schäden die durch Funktionsstörungen des Gehirns Wesen und Steuerungsfähigkeit nachhaltig beeinträchtigen.

Es hat Jahrzehnte gebraucht, ehe die Zucht von weißen, blauäugigen Katzen verboten worden ist. Es hat Jahrzehnte gebraucht, ehe die Zucht von Merle-Chihuahuas in den weltweit führenden Zuchtverbänden verboten worden ist. Die haben das nicht aus reiner Tierliebe getan oder um die Züchter zu ärgern sondern sie mußten es tun, weil der internationale Druck - ausgelöst und genährt durch das vorhandene, stetig wachsende Elend der Tiere - so groß geworden ist, daß dagegen mit bloßem lamentieren nicht mehr anzukommen war.

ich mag ja gerne glauben, daß Dir diese Farbvariante gefällt - ich finde sie halt schrecklich weil ich mit dem Begriff Collie eine gänzlich andere Erscheinungsform adaptiere. Doch über Geschmack und Schönheitsempfinden zu streiten lohnt nicht und soll auch nicht unser Ziel sein.

Was den Collie betrifft, so werden Merleträger in Deutschland vom VDH noch anerkannt / eingetragen. Schaut man sich die züchterische Bilanz des dem VDH angeschlossenen DCC an, hat im vergangenen Jahr jeder fünfte Welpe nicht überlebt bzw. wurde er tot geboren, jeder dritte Zuchtversuch blieb ergebnislos.
Das soll jetzt freilich nicht heißen: Merle ist an all dem Schuld! - nein, es soll nur mal zum Nachdenken darüber anregen, was wir wirklich wissen und warum dann Dinge getan werden, deren Wirkung man einfach nicht abschätzen kann. Es ist schlicht unnötig, mit Defektgenen herumzulaborieren denn davon oder damit werden die Hunde als jeweilige Rasse auf gar keinen Fall von irgendeinem der sonstigen bestehenden Leiden / Schäden geheilt! Man kann eines aber mit großer Sicherheit sagen: Bevor Merle beim Collie ein Thema wurde, war die Rasse durchweg gesünder!

Es ist grundsätzlich anerkennenswert, daß man beim DCC den Mut und Anstand besitzt eine solche, wirklich nicht eben ruhmreiche Bilanz offenzulegen. Vertuschen nützt niemandem - warum praktizieren es dann mehrheitlich diverse Vereine?

Das ist mein Standpunkt zu diesem Thema - klar, in meiner Zucht gab und gibt es keine solchen Abartigkeiten. Die Hunde haben eben nichts davon, zumindestens nichts gutes!

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Beitrag4/5, Verfasst am: 04.05.2016, 12:53   

Betreff:
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Ich habe mal den schon älteren, nichts destotrotz weiterhin absolut zutreffenden Beitrag aus der Hundezeitung ausgegraben und hier mit angehängt.
Es bleibt festzuhalten, daß jede Merlezucht generell als verantwortungslos, wenn nicht gar als kriminell eingestuft werden muß. Kriminell in dem Sinne, daß damit eine vom Gesetz her verbotene und darüberhinaus moralisch durch nichts zu rechtfertigende Qualzucht betrieben wird.

Merle ist eben nichtmal vom Himmel gefallen sondern es wurde und wird systematisch aus reiner Geldgier und sicher auch Geltungssucht in einst gesunde, merlefreie Bestände und Rassen durch illegale Bastardierungen eingeschleust. Diese Bastardierungen sind der zweite kriminelle Akt denn dem Welpenkäufer wird generell vorenthalten, daß er eben keinen reinrassigen Vertreter erwirbt sondern in dessen Ahnen nicht dokumentierte oder absichtsvoll falsch ausgewiesene Vorfahren vertreten sind.

Das Märchen von der Erhaltung der genetischen Vielfalt, welches von den Merlebefürwortern gerne vorgebracht wird ist nichts anderes als eine simple Zwecklüge - der Jurist nennt es "Schutzbehauptung" womit aber nicht der Schutz der Kreatur vor Schaden, sondern der Selbstschutz der Strolche vor Strafverfolgung und Konsequenzen gemeint ist.


So "schön" kann Merle sein!

Hundezeitung.de, am 16.05.2001 11:47, schrieb wie folgt:

Defektgen Merle-Faktor


Was ist das, welche Folgen haben diese Probleme für welche Hunde?

Viele reden über den geheimnisvollen Begriff Merle. Woher kommt der bei Züchtern vielzitierte Begriff? Dr. Wilhelm Wegner, Professor am Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, vermutet den Begriff aus einer Kreuzung von marbled und marled für: marmoriert.

Der Merle-Faktor verursacht eine charakteristische Fellscheckung mit Depigmentierung und irregulärer Pigmentverteilung in Haar, Haut und Auge. Das Defekt-Gen kommt bei vielen Hunderassen vor: Deutsche Doggen und Dackel der Farb-Bezeichnung "Tiger", Collies, Shelties und andere mit der Farb-Bezeichnung Blue Merle, Corgies, Foxhoundschläge, Dunkerhunden, einige Hütehundeschläge wie Bobtails, Australien Shepherds und Farbschläge des Altdeutschen Schäferhunds, seit wenigen Jahren auch der Beauceron.


Die Tierärzte Willy Neumann und Heike Frese von der Veterinärklinik der Universität Giessen: "Wegen der interessanten Fellzeichnung und zum Erhalt des Genmaterials wird bei verschiedenen Zuchtverbänden mit diesem Gen gezüchtet und sind Rassestandards für die Merle-Färbungen formuliert worden. Zum Beispiel der perfekte Blue-Merle-Collie: schwarz gesprenkelt, aber niemals grossflächig schwarz gefleckt; Halskrause, Brust, Pfoten, Läufe und Schwanzspitze können weiss sein, ebenso die Blesse. Der Blue-Merle-Collie sollte braune Abzeichen aufweisen, wie sie vom Tricolor erwartet werden. Ein oder beide Augen können blau sein.

Bei der Merle-Doggen unterscheidet man schwarz-weiss gefleckte Tiere von den Grautigern (grau-weiss) und den Weisstigern (vorwiegend weis), von denen allerdings nur die schwarz-weiss gefleckten Tiere "erwünscht" sind.

Genetische Grundlage des Merle-Faktors
Der Genetiker Wegner bezeichnet ihn als unvollkommen dominanten (vorherrschender) Erbfaktor mit Gross-Gen-Wirkung und breiter phänotypischer (erscheinungstypischer) Variabilität.

Wegen fehlender exakter genetischer Nachweismethoden werden die Genotypen (veranlagte Typen) der Tiere anhand des Stammbaums und - abhängig vom Aufhellungsgrad der Haut und Haare in Prozent der Körperoberfläche festgestellt. Die Aufhellung von Haut und Haaren beträgt bei homozygoten (reinerbigen) Tieren 50 Prozent und mehr, bei heteorzygoten (mischerbigen) Tieren weniger als die Hälte der Körperoberfläche (Einteilung nach Comberg, 1972).

Die Verlässlichkeit dieser Einteilung und die Klassifizierung des Merlefaktors als dominant wurde von Genetiker Jödicke (1990) in Frage gestellt, nachdem sich von der Erscheinung her merlefreie Tiere als zweifelsfrei mischerbige Merkmalsträger erwiesen hatten. Die übliche Einstufung des Merle-Gens als dominanten Faktor mit unvollständiger Penetranz bezeichnet Jödicke als Zugeständnis an die Tatsache, dass der Erbgang bis heute noch nicht vollständig verstanden wird.

Merle als Defekt-Gen
Die tiermedizinischen Wissenschaftler Neumann und Frese schreiben zum Grund, warum der Merle-Faktor zum Streitpunkt zwischen Erbgenetikern und Züchtern dieser Farbschläge geworden ist: Bei reinerbigen Trägern des Merkmals können unterschiedliche Missbildungen auftreten. Bei reinerbigen Weisstigern können, in unterschiedlicher Form und Häufung, Missbildungen des Auges und des Innenohrs auftreten, die bis zur völligen Taubheit gehen können.

Derartige Tiere können in der Entwicklung hinter Wurfgeschwistern zurückbleiben, eine verminderte Lebensfreude zeigen und unter Umständen vor der Geschlechtsreife sterben. Die Gefahr des Auftretens reinerbiger Merkmalsträger besteht bei der Verpaarung zweier mischerbiger Elterntiere. Dieses Risiko wurde von einigen Züchtern in Kauf genommen, da gesunde reinerbige Welpen aus solchen Paarungen bei der Kreuzung mit Nicht-Merkmalsträgern Nachkommen mit aussergewöhnlicher Farbzeichnung erzeugen sollten.

Der Genetiker Wilhelm Wegner weist in seinem Buch "Kleine Kynologie" (1995) auf "neuere Untersuchungen, die über Missbildungen durch Merle-Faktor zurückzuführen sind: "Elf Tigerteckel mit einem Aufhellungsgrad der Körperoberfläche von 50 Prozent und mehr zeigten ein- oder beidseitig, jedoch in variabler Manifestation, schwerste Augenanomalien.

Diese Befunden wurden bei Wegner und Reetz 1975 und Dausch und Mitarbeiter 1977 dokumentiert und als klare Gendosiswirkung des unvollkommen dominanten Merlefaktors M interpretiert.

Doch nicht allein Schadwirkungen des Merlefaktors auf Augenstrukturen fanden in diesen Untersuchungen ihre Bestätigung. In Tests auf Hörfähigkeit bei jenen Tieren zeigte sich, dass nicht weniger als 55 Prozent der Weisstiger und 37 Prozent der "normalen" Tigerteckel mit Hörverlusten geschlagen waren, die zum Teil an Taubheit grenzten. An verstorbenen Welpen dieser Merle-Kolonie wurden schwerste Innenohrveränderungen festgestellt und zugleich eine generell heraufgesetzte Jungtiersterblichkeit.

Dies wird auch von wenigen Züchtern zugegeben.
Neben den genannten Symptomen und den angeführten Einbussen männlicher Fertilität (Fruchtbarkeit) ist ferner die bei etwa der Hälfte dieser Tiger und Weisstiger ermittelte Störung des Schwimmvermögens bedeutsam. Einige dieser Tiere mussten nach kurzer Zeit aus dem Wasser gezogen werden, da sonst die Gefahr des Ertrinkens durch Gleichgewichtsstörungen bestanden hätte.

Es gibt keine klaren Grenzen zwischen rein- und mischerbigen Tieren.
Das heftige pro und Contra in einschlägigen Züchterkreisen über die zu treffenden Massnahmen zur Verhinderung der genannten "Gesundheitsstörungen" zeigt, dass man sich offenbar vielfach nicht darüber klar ist, dass in diesen Rassen mit einem Defektgen gezüchtet wird. Hier gibt es nur eine ethische Alternative: Die völlige Aufgabe des Züchtens mit dem Merle-Faktor.

Es existieren genug andere Scheckungs- und Sprengelungsgene bei Hunden, die nicht mit Defektgenen gekoppelt sind und eine vergleichbar prächtige Zeichnung erzeugen würden."


©Rainer Brinks 2001


Damit kein Irrtum aufkommt: Nicht jede Verkrüppelung / Mißgeburt ist als Folge von Merle anzusehen! Die Ursachen dafür können überaus vielschichtig sein. Gleichwohl gebieten Anstand und Verantwortlichkeit für das eigene Tun, daß man als Tierzüchter solche Experimente konsequent zu unterlassen hat! Wer glaubt, die Materie zu beherrschen lügt sich selbst in die Tasche. Es gehört schon eine gehörige Portion Selbstüberschätzung, ja Größenwahn dazu, das eigene Wissen, welches sich bestenfalls auf dem Niveau einer Wäscheklammer bewegt, über das von wirklichen Fachleuten zu stellen, welche neben einem jahrelangen Universitätsstudium auch noch regelmäßige Weiterbildung betreiben um tagtäglich wissenschaftliche Arbeit überhaupt leisten zu können.
Freilich kann man auch als interessierter Laie vieles in Seminaren lernen - nur sind das letztlich nicht mehr als kleine Mosaiksteinchen, welche zusammengesetzt zwar ein Detail recht gut erkennen lassen aber den Blick auf das ganze Fachgebiet nicht mal eines Spalt weit öffenn können denn dazu bedürfte es eines regulären Grundlagenstudiums welches man als Dipl.-Biol. abschließen kann. Das ist international anerkannt, aber nicht an drei Wochenenden und einem Gebührenscheck für irgendein selbsternanntes "Institut" od. Verein festgemacht.

Es soll damit niemandem zu nahe getreten werden, nur eines möchte ich erreichen, darüber nachzudenken, kritisch, selbstkritisch die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten zu beurteilen.

Und um es nochmal ganz klar herauszustreichen: Merle ist eben KEINE Farbe sondern ein Farbdefekt welcher - wenn er denn sichtbar ist - an seiner Musterung erkennbar wird. Das heimtückische stellen aber jene Erscheinungsformen dar, welche als "kryptische Merle" zwar vorhanden aber äußerlich unsichtbar bleiben.

Tierhalter mit Verantwortungsbewußtsein werden sich niemals in die Niederungen der Merlezüchter begeben!
Es gilt hierbei besonders die Erkenntnis, daß die weltweit häufigste Form des Betruges der Selbstbetrug ist!

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Beitrag5/5, Verfasst am: 14.10.2018, 14:23   

Betreff: Wahnvorstellungen & Wahnsinn
Zusatz:       oder: Der Griff in die Büchse der Pandorra
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Nachstehenden Text habe ich der nicht mehr existenten Homepage einer bekennenden Merlezüchterin entnommen. Er zeigt ein geradezu erschreckendes Halbwissen dieser, zu jener Zeit als Zuchtwartin und Zuchtrichterin für Groß- & Kleinrassen des GDRV/VDHC agierenden Person.
Vor kurzem wurde sie, wohl wegen diverser Verdienste (fragt sich nur für wen), zur "Internationalen Ringrichterin" ernannt - nein, nicht bei der WBO sondern in einem Hundezuchtverein! Typisch für Vetternwirtschaft und Korruption in den mafiösen Kreisen der skrupellosen Welpenproduzenten.

Zitat:
Was ist MERLE?

Bei der Farbe MERLE handelt es sich um eine häufig in der Natur vorkommende Genmutaion, die nicht nur bei vielen Hunderassen, sondern auch bei Pferden und sogar bei Kleinnagern vorkommt.
Hierbei kommt es zu einer Verwaschung der Fellfarbe. Wäre die normale Grundfarbe schwarz so ist sie bei Merle Blue (blau, grau oder blaugrau marmoriert). Auch können die Augenfarben von ursprünglich dunkel bei Merletieren grau oder blau sein. Diese Variationen sind jedoch noch sehr selten, heben aber die Besonderheit nochmals hervor.

Bei Merlezüchtungen ist es jedoch aufgrund dieser Genmutation besonders wichtig, niemals Merle mit Merle zu verpaaren bzw.auch nicht mit Tieren welche Träger dieses Merlegens sind, obwohl sie augenscheinlich eine andere unauffällige Fellfarbe besitzen. Wer also die Absicht hat mit einem Merlehund zu züchten sollte sich vorher genau informieren welche Tiere verpaart werden können und welche nicht. Um absolut sicher zu gehen, ob der Hund merlefrei ist sollte man einen Gentest am besten bei seinem Tierarzt durchführen lassen. Bei unsachgemäßer Verpaarung können körperliche Fehlentwicklungen einhergehen. Wenn man aber diese Besonderheiten beachtet, zeigt der Chihuahua einmal mehr, welche Fellfarbenpracht in ihm steckt und erfreut individuell jeden Besitzer einer solchen Hundes.
Quelle: Chihuahua von der Havelaue
Um es auch an dieser Stelle nochmal ganz deutlich zu formulieren:

1. Merle ist KEINE Farbe sondern eine Musterung, die durch einen Gendefekt hervorgerufen wird.
2. Chihuahuas mit dem mutierten Merle-Gen sind NIEMALS reinrassig sondern IMMER Bastarde.
3. Merle-Chi werden von weltweit führenden Zuchtverbänden geächtet und erhalten keine Papiere.

Allein diese drei Punkte sollten auch dem unbedarftesten Tierhalter die Augen öffnen - Merlezucht = Qualzucht!





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