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Sozialisierung - ein Mythos ?
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Grus51
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Beitrag1/2, Verfasst am: 03.03.2017, 13:57   

Betreff:   Sozialisierung - ein Mythos ?
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Nein, keineswegs, vielmer ist das auch so eine Begrifflichkeit, welche von Heerscharen mit "Ahnung" in den allermeisten Fällen völlig sinnfremd in den Ring geworfen wird. Verständlich, etwas ahnen und etwas wissen sind zwei paar Latschen!
Vorab: Ein Mensch der sich anschickt Hundewelpen zu sozialisieren, weiß nicht was er tut, aber das mit ganzer Kraft!

Der Hund ist seit Gevatter Wolf ein sozial lebendes Tier. In seinem Familienverband, der in der kleinsten Struktur aus nur zwei Individuen besteht, fühlt er sich geborgen, kann er sich sowohl bei der Nahrungssuche als auch bei der Ruhephase auf seinen Artgenossen verlassen. Irgendwann finden sich dann zwei Geschlechtstiere und bilden eine ab diesem Zeitpunkt stetig wachsende Großfamilie. Wenn diese eine gewisse Individuenzahl erreicht hat, wächst sie durch Eigenregulation nicht weiter an. So ist sichergestellt, daß alle Tiere jederzeit genügend Nahrung haben. Damit so eine Sippe in engem Zusammenhalt auch funktioniert, braucht es klare, unmißverständliche Regeln, Regeln die den Neugeborenen von Anbeginn mit zunehmender Nachhaltigkeit beigebracht werden. Vereinfacht lauten diese Regeln Respekt vor den Stärkeren, vor der Führungsetage und - schlimmer kanns nicht kommen - vor der alten Fähe die da ganz oben auf dem Thron sitzt. Tatsächlich bestimmt nicht der größte und erfolgreichste Raufbold wo es langgeht sondern die erfahrenste Grand Dame ! Wenigstens bei den Wölfen funktioniert das wirklich . . .
Die Welpen eines Rudels lernen spielerisch, daß ihre Narrenfreiheit, die ihnen das Kindchenschema für eine gewisse Zeit im Umgang mit ihrer Mutter garantiert, nicht grenzenlos ist und sie lernen auch, daß die Toleranzgrenze eines jeden Rudelmitgliedes einen anderen Schwellenwert besitzt. Wenn die Laktation zum Ende des 3. Lebensmonats abrupt aufhört, beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt. Zwar bleiben sie noch weitaus länger im Familienverband, werden dort auch beschützt, doch das unsichtbare Band, welches jeden Welpen über 10 . . . 11 Wochen tagtäglich mit der Mutterbrust verbunden hat ist erstmal durchtrennt und mit ihm beginnt auch das Band welches alle Wurfgeschwister verbindet brüchig zu werden - es beginnt langsam eine Grüppchenbildung. Die ist noch lange nicht stabil und mehrfacher Wandlung unterworfen doch an deren Endpunkt steht immer die "Männergruppe", die ab einem gewissen Alter, als "Halbstarke", den Familienverband gemeinsam verläßt.
Ihre Lektionen für das Leben haben die Welpen in den ersten drei Lebensmonaten, in engster Bindung untereinander und zu ihrer Mutter gelernt. Mitgeholfen haben dabei auch die anderen Rudelmitglieder in, entsprechend ihrer gesellschaftlichen Stellung, unterschiedlicher Intensität. All das geschieht nicht nur bei Familie Wolf so, es geschieht ebenso bei deren domestizierten und teilweise bis ins groteske, züchterisch verunstalteten Artgenossen in unseren Wohnzimmern. Wenn man sie denn läßt Exclamation

Und weil das so ist, weil es die Natur seit zigtausenden Jahren so mit bestem Erfolg praktiziert, ist es völlig logisch, daß da endlich mal ein paar Hundezüchter - oder solche die sich dafür halten - daherkommen um den Rest der Welt aufzuklären, daß das beste Alter, zu dem man einen Welpen aus seiner Hundefamilie herausreißen muß, bei spätestens 8 Wochen liegt und anschließend muß der Knirps sofort für die Welpenschule angemeldet werden:idea: Nachtigall ick hör dir trappsen! Das ist im Grunde die gleiche Logik wie wenn jemand einen Topf kochendes Wasser einfriert, weil kochendes Wasser kann man ja immer mal brauchen!

Nur, es gibt ein paar "rückständige Völker" wie etwa die Schweizer, bei denen es gesetzlich verboten ist, Welpen jünger als 12 Wochen von ihrer Mutter zu trennen - das ist doch absurd, wer soll denn dann die ganzen Kosten tragen, die innert vier Wochen zusammenkommen, die 2. Entwurmung mit anschließender 2. Grundimmunisierung und Tollwutschutzimpfung obendrein Shocked Ach, es kommt doch noch dicker: welchen Sinn macht es denn dann, noch eine Welpenschule zu besuchen? Da wird ja ein weiterer Wirtschaftszweig in den Ruin getrieben Ohnmacht

Alleine die Tatsache, daß ungeachtet der teils seit Jahrhunderten gezielten menschlichen Einwirkung auf das äußere Erscheinungsbild UND die charakterlichen Eigenschaften des Haushundes eine derartige Vielfalt von Zuchtformen geschaffen hat, dieses Grundinventar an Regeln die das Leben in der Gemeinschaft erst möglich machen aber nicht zu beseitigen vermochte, sollte doch allen Menschen, die sich mit dem Gedanken einen Welpen anzuschaffen tragen, Anlaß sein darüber nachzudenken, warum bestimmte menschliche Verhaltensweisen nicht nur propagiert sondern aktiv vollzogen und als absolut richtig dargestellt werden. Im Zweifel hilft immer die Frage: " Wem nutzt es?" um eine zutreffende Antwort zu erhalten.
Ohne jemanden speziell oder gar einen sich seit wenigen Jahren zunehmend etablierenden Geschäftszweig aufs Korn zu nehmen kann ich hier ganz allgemein sagen, daß die Frage nach dem Sinn oder Unsinn einer Welpenschule bei einem Anbieter derselben wohl eine voraussehbare Antwort provozieren würde. Tatsache ist, daß es durch die Praxis der Hundemafia erst notwendig geworden ist, eine hilfsweise Nachbesserung bei den massenhaft ihren Müttern entrissenen Welpen bzw. dem was aus solchen armen Tieren geworden ist, entgeldlich anzubieten. Eine Nachbesserung wird aber immer nur Flickwerk bleiben - dafür sind weder der Trainer noch der Hund verantwortlich sondern einfach der, der diesem armen Tier einen wesentlichen Teil seiner Babyzeit aus allein monetären Gründen vorenthalten hat.

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Grus51
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Beitrag2/2, Verfasst am: 27.11.2017, 12:42   

Betreff: Patchworkfamilie: Mensch - Hund
Zusatz:       Suchen & finden im Web - Fluch oder Segen?
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Zuerst: Es gibt nichts auf der Welt, was nur gut und richtig ist - die Definition wird wesentlich vom Standpunkt des Betreffenden bestimmt!
Die Tatsache, daß der Hund des Menschen bester Verbündeter sein kann ergibt sich aus der großen Gemeinsamkeit, die Mensch und Hund teilen: Beide sind von Natur aus Gemeinschaftstiere, sie brauchen zum Überleben und Sichwohlfühlen die Gruppenbildung wobei das Stadium der massiven Zusammenrottung im Verlaufe der Evolution in den Hintergrund rückte, nur noch bei Situationen die zur Gefahrenabwehr fordern für +/- lange Zeit auflebt. Mensch und Hund gemeinsam ist die daraus entstandene Genügsamkeit der Einehe auf unbestimmte Zeit. Mensch und Hund gemeinsam ist auch, daß "Seitensprünge" immermal vorkommen, einerseits weil die Situation zufällig eine solche ist die dazu führt, andererseits aber auch, weil diese gezielt gesucht werden - etwa bei Unstimmigkeiten, "Familienkrach" im weitesten Sinne. Es ist auch festzuhalten, daß solcherart Ausbrüche aus dem Familienverband normalerweise bei unseren Vierbeinern nach etwas Theaterdonner abgehakt sind ohne weitreichendere Konsequenzen, was man beim viel weniger rationalen Zweibein so nicht verallgemeinern kann. Mensch und Hund ist wiederrum gemeinsam, daß sich der Theaterdonner beim Menschen oft, beim Hund immer gegen die Rivalin und seltener gegen den "Göttergatten" direkt richten wird; na gut, in der Hinsicht sind die Hunde den Menschen wohl ein Stück voraus Mr. Green zumindestens biologisch weitsichtiger! Es bleibt aber festzuhalten, daß vor einer normalen Paarung immer beide Teilnehmer ihre Bereitschaft gegenseitig signalisieren und da kommt schon wieder der Spruch hoch "Und ewig lockt das Weib!" was nicht wertend gemeint ist sondern einfach eine Folge des Procederes der Arterhaltung darstellt.

Nun und schließlich gibt es noch eine weitere Übereinstimmung, welche allerdings auf einer bisher nicht erforschten Mutation der rezenten Menscheit basiert und auch unter solchen Menschen konstatiert werden kann, welche selbst weder Hunde halten noch in irgendeiner Form zu Hunden eine Beziehung haben. Diese Übereinstimmung betrifft die drastische Reduktion der Artikulationsfähigkeit mittels arteigener Lautsprache. Damit einhergehend kann auch eine Veränderung der Anatomie der HWS beobachtet werden, welche zu einer stetigen abwärts geneigten Kopfhaltung führt. Es ist erstaunlich, welche Auswirkungen die steigende Zahl von Hunden in deutschen Haushalten auf die beschleunigte Evolution der Hominiden hat.

Kurz und gut: Richtig angegangen sind "Welpenschulen" vollkommener, weil überflüssiger Unsinn. Sinnvoll wären dagegen - und das meine ich in vollem Ernst - "Hundeverstehschulen" als Pflichtabsolvierung für jeden angehenden Hundezüchter und als Teil des allgemeinbildenden Unterrichtes an allen Schulen gleich welcher Trägerschaft. In diesem Teil der allgemeinen Volksbildung sollte vermittelt werden, daß man eben nicht alles was klein und behaart daherkommt als "ach sooooo süß" zum beweglichen Plüsch-Hasso degradiert deren Besitz sofort angegangen werden muß sondern daß bereits die Jüngsten vermittelt bekommen, daß ein Welpe ein vollkommen eigenständiges Lebewesen ist, mit eigenen Bdürfnissen und einem eigenen Gefühlsleben worauf man als selbst soziales Lebewesen entsprechende Rücksicht zu nehmen hat damit eine Gemeinschaft auch als solche funktionieren kann. Der Hundeverstehunterricht darf auch das "gottgleiche Wesen" Katze nicht außenvor lassen! Im Gegenteil, das Zusammenleben von Einzelhund mit Einzelkatze innerhalb einer Menschenfamilie ist im Regelfalle überaus harmonisch - weil beide Tiere es nicht als Peinlichkeit empfinden können, sich auf den so anderen Partner einzulassen. Die Mär vom notorischen Einzelgänger Katze trifft nunmal auf domestizierte Hauskatzen ebensowenig wie auf frei lebende Löwen zu. Richtig ist, daß die Katze nach einer anderen Lebensuhr als der Hund ihren Tagesablauf bestimmt. Richtig ist auch, daß ein erwachsener Hund alleine nichts mit sich anzufangen weiß - eine erwachsene Katze dagegen sehr wohl zu stundenlangem Spiel mit tatsächlichen oder auch nur imaginären Gegenständen fähig ist. Sollte sie einen eigenen Haushund besitzen, dann liegt es sehr nahe, daß sie diesen als Spielgegenstand dankend annimmt und Hund seinerseits dieser Art der Beschäftigung zwar zuweilen etwas hilf- und verständnislos aber niemals abgeneigt gegenübersteht. Im Gegenteil, Hunde sind viel ausdauernder als Katzen und werden von sich aus nie aufhören, die Partnerkatze "zu überfallen" um sie in Ringermanier zu Boden zu kämpfen. Wenn es Miez genug ist macht sie eben einen Hopser und ist sogleich in unerreichbarer Ferne. Wenn dann Hundi wieder runtergekommen auf Normalpegel ist und sich anschickt ein wenig zu dösen, wird sich der Bartputzer gerne an diesen rankuscheln. Der Mensch muß nur lernen, daß er sich in diese Zweisamkeit nicht einzumischen hat wenn er nicht von den beiden dazu aufgefordert wird. Und er muß lernen, daß es Katzen gibt die nicht wissen können, daß Wuffel nur mal ein bissel balgen möchte. Also ist es grundverkehrt einer unvorhergesehenen Begegnung freien Lauf zu lassen - sowas kann eigentlich nur in die Hose gehen und das ist dann dauerhaft schade für alle Beteiligten. Der Hundeverstehunterricht soll auf jeden Fall die teilweise anzutreffende panische Hundeangst bekämpfen, er soll aber auch das Empfinden für kritische Situationen schulen. Nicht jeder Hund, egal ob groß oder klein, ist für stürmische Annäherung empfänglich, nicht jeder Hund liebt es von Unbekannten geknuddelt zu werden. Hier sind zumeist bestimmte Erlebnisse und Erfahrungen die der Welpe machen mußte, prägend für dessen Sicht auf Menschen mit gewissen Verhaltensformen und / oder Äußerlichkeiten gewesen. Diese Prägung ist in etwa soviel Selbstverständnis für den Hund wie für uns Menschen die Erfahrung einer heißen Herdplatte! Wir werden im Leben nie in Frage stellen, daß man sich daran die Finger ganz böse verbrennen kann - also sollten wir auch nicht erwarten, daß Hund seine teils schmerzhaft gemachten Erfahrungen einfach sio in Frage stellt, etwa weil wir es uns wünschen. Nein, der Wille zum Leben, zum überleben ist einfach viel stärker weil er Selbstschutz bedeutet.

Und an dieser Stelle beginnt das, was für den Rest seines Lebens ein Welpe mit auf den Weg bekommt!



Fortsetzung folgt.
_________________
Der Hund braucht sein Hundeleben. Er will zwar keine Flöhe haben, aber die Möglichkeit, sie zu bekommen.
(Robert Lembke)
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