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Zucht - Merle Wahnsinn, von Dr. Anna Lauckner
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Grus51
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Beitrag1/1, Verfasst am: 09.09.2015, 13:54   

Betreff:   Zucht - Merle Wahnsinn, von Dr. Anna Lauckner
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http://gegen-merle-bolonka.jimdo.com schrieb wie folgt:
Fellfarben
Der M-Lokus Teil 8
Das Merle-Gen ist das umstrittenste Fellfarben-Gen beim Hund.
Es erzeugt eine reizvolle Fellzeichnung – die in bestimmten Fällen allerdings mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergeht.

Von Dr. med. vet.
Anna Laukner

Genetische Grundlage Merle wird durch eine Genveränderung im Silver-Gen (SILV, PMEL17) verursacht. Das für die Merle-Färbung verantwortliche defekte SILV-Gen wird mit M abgekürzt, während das normale SILV-Gen mit m abgekürzt wird. M ist unvollständig dominant:
Im heterozygoten Zustand Mm führt es zu der Merle-Zeichnung, die je nach der sonstigen Farbgen-Ausstattung des Hundes zu dem charakteristischen Merle-Muster führt. Bei einem schwarzen Hund sind dies unregelmässig zerrissen wirkende schwarze Flecken auf grauem Grund, bei einem leberbraunen Hund sind die Flecken braun, die Grundfarbe ein aufgehelltes Braun. Bei einem gelben oder rötlichen Hund ist die Merle-Zeichnung oft kaum erkennbar – dazu weiter unten mehr. Wildfarbigkeitsabzeichen und Weissscheckung werden von der Merle-Zeichnung nicht beeinträchtigt, ein merlefarbiger Hund kann also auch weiss gescheckt sein und/oder rote Abzeichen haben (typisch etwa beim Blue Merle-Collie). Merlefarbige Hunde haben oft ein oder zwei blaue oder blaugesprenkelte Augen.
In der homozygoten (reinerbigen) Allelkonstellation MM zeigen die Hunde meist eine grossflächige Weissscheckung mit vereinzelten asymetrischen Farbflecken. Diese homozygoten Tiere werden auch Weisstiger genannt; sie haben ausserdem meist blaue Augen. Weisstiger – also reinerbige Merle-Hunde – haben in den meisten Fällen gravierenden Fehlentwicklungen der Sinneszellen. Sie sind häufig
ein- oder beidseitig taub, oft kommt es auch zu Augenmissbildungen. Es kann mitunter schwierig sein, einen Weisstiger (MM) rein optisch von einem heterozygoten Merle (Mm) zu unterscheiden. Vor allem, wenn ein Hund mit Mm zusätzlich ein Gen für extreme Weissscheckung trägt und man die Genkonstellation seiner Elterntiere nicht genau kennt, kann es zu Verwechslungen kommen. Vor allem bei Rassen mit stark verbreiteter Weissscheckung (Chihuahua) kann dies zu einem Problem werden, wenn von Züchterseite zu wenig Augenmerk auf dieses Problem gerichtet wird. Aus diesem Grund empfiehlt etwa der amerikanische Chihuahua-Zuchtclub, zur Merlezucht nur Chihuahuas
mit einem Weissanteil von weniger als einem Drittel der Körperoberfläche einzusetzen.

Vorkommen
Die Merle-Zeichnung ist keine ‹moderne› Züchtung – sie ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Interessanterweise kommt dieser Farbschlag
vor allem bei Gebrauchsrassen vor – allerdings nur in der heterozygoten (mischerbig) Variante. Merlefarbene Hunde sind bei fast allen britischen Hütehundrassen bekannt (am häufigsten wohl der Blue Merle-Collie und -Sheltie, aber auch der Border Collie, Bobtail und Cardigan Corgi kommen in Merle vor).
In Deutschland gibt es den so genannten Tiger (ein Farbschlag des Altdeutschen Hütehundes).
Auch Frankreich hat etliche merlefarbige Hütehunde:
Beauceron, Pyrenäenschäferhund, Berger du Larzac und Berger de Savoie.
In Italien gibt es den Berga-masker.
Einige dieser Rassen sind lokale Gebrauchsschläge, die ausserhalb ihrer Region unbekannt und nicht offiziell anerkannt sind. Andere, wie der Australian Shepherd, haben weltweite Verbreitung erreicht, sind teilweise richtige Moderassen.
Auch unter den Jagdhund-Rassen kommt das Merle-Gen vor:
Der norwegische Dunkerhund ist ein typischer merlefarbiger Jagdhund.
Auch den englische Foxhound gibt es in Merle,
ebenso den Dackel.
Eine weitere Rasse ist der Catahoula Leopard Dog aus dem amerikanischen Louisiana. Er wird sowohl zur Wildschwein- und Waschbärjagd als auch zum Treiben von Rinderherden eingesetzt.
Schliesslich gibt es Deutsche Doggen mit dem Merle-Faktor. Bei diesen gibt es eine in der Hundewelt einzigartige Besonderheit:
Beim Harlekin-Farbschlag sind die Flecken schwarz auf weissem Grund. Die auch bei Doggen vorkommenden Blue Merles (schwarze Flecken auf grauem Grund, bei Doggen werden sie Grautiger genannt) sind nicht erwünscht und werden nicht zur Zucht zugelassen. Neuerdings sieht man auch merlefarbene Chihuahua – bei dieser Rasse ist der Farbschlag allerdings sehr umstritten (später mehr dazu).

Farbbezeichnungen
So viele unterschiedliche Farbkombinationen es bei der Merlezeichnung gibt, so viele unterschiedliche Bezeichnungen für diesen Farbschlag
kennt man auch. Der ‹Klassiker› ist Blue Merle (schwarze Flecken auf grauem Grund). Analog dazu bezeichnet man Merle in Kombination
mit der Leberfarbe als Red Merle (vor allem beim Australian Shepherd verbreitet).
Bei manchen Rassen werden die merlefarbigen Hunde ‹Tiger› genannt (beim Altdeutschen Hütehund, aber auch: Tigerdackel, Tigerdogge).
Die französischen Merle-Rassen tragen die Farbbezeichnung ‹arlequin›, die Harlekindogge ist die typische schwarzweisse Merle-Dogge.
Im Englischen wird die Merle-Zeichnung oft als ‹dapple› bezeichnet.
Ist die Grundfarbe dominantes Gelb (im Englischen als Sable bezeichnet), so nennt man den entsprechenden Merle-Schlag Sable-Merle. Die gezielte Züchtung von Sable-Merles ist nicht ungefährlich (später mehr dazu).

Zuchtregulierung
Wie bereits eingangs erwähnt, ist der homozygote Weisstiger in der Regel mit schweren gesundheitlichen Einschränkungen behaftet. Aus diesem Grund ist die Verpaarung von Merle-Hunden untereinander strikt abzulehnen. Bei allen Hunderassen, bei denen der Merle-Schlag schon länger bekannt und verbreitet ist, ist die Verpaarung von Merle-Hunden untereinander untersagt. Ebenso untersagt ist die Verpaarung von Merle mit Hunden heller Fellfarben wie Gelb, Rot, Creme etc.
Beim Collie etwa dürfen nur Tricolor und Blue Merle verpaart werden, Sable und Blue Merle hingegen nicht. Aus der Verpaarung von Sable und Blue Merle können nämlich Sable-Merle Hunde fallen, denen man vor allem im erwachsenen Alter oft kaum mehr ansieht, dass sie
die Merle-Zeichnung haben. Würde man nun einen Sable-Merle (den man irrtümlich für einen Sable hält) mit einem Blue Merle verpaaren, so besteht die Gefahr, dass dabei Weisstiger entstehen.
Aus diesem Grund dürfen auch Harlekindoggen nur mit schwarzen, nicht aber mit gelben Doggen verpaart werden.
Die meisten Rassen, bei denen Merle vorkommt, gibt es nur in einer relativ begrenzten Farbauswahl. Bei Rassen, bei denen alle Farben und Farbkombinationen vom Standard zugelassen sind, kann es unter Umständen schwierig sein, in dieser Hinsicht den Überblick zu behalten. Ein Beispiel hierfür ist der Chihuahua:
Hier sind zwar prinzipiell alle Farben zulässig, die Merle-Farbe ist allerdings relativ spät in der Zuchtgeschichte aufgetaucht. Es gibt keine
historischen Belege für merlefarbene Chihuahuas, und so gibt es verschiedene Stimmen, die eine Fremdeinkreuzung vermuten (etwa durch den Sheltie).
Ähnlich ist es beim Pomeranian, der amerikanischen Variante des Zwergspitz.
Während beim Zwergspitz nach FCI-Standard kein Merle zugelassen ist, kommt diese Zeichnung beim amerikanischen Pomeranian vor. Man vermutet, dass das Merle-Gen über den Chihuahua in den Pomeranian gelangte, denn der Chihuahua wurde in Amerika in die Rasse eingekreuzt (vor allem, um die Körpergrösse zu reduzieren).

Kryptisches Merle
Das kryptische Merle bezeichnet Hunde, bei denen die Merlezeichnung optisch nicht erkannt werden kann. Bei solchen Hunden kann man die Zeichnung manchmal im Welpenalter noch erkennen, sie verblasst dann aber im Erwachsenenalter (man nennt solche Hunde auch Phantom-Merles). Sowohl der Pomeranian als auch der Chihuahua kommen in vielen verschiedenen Farben vor. Die Gefahr ist nun, dass die Merlezeichnung bei einem Hund, der gelb, creme, gestromt oder extrem weissgescheckt ist, nicht als solche erkannt wird. Wird nun ein
solcher ‹verborgener› (kryptischer) Merle-Chihuahua oder Zwergspitz mit einem Merle-Hund (oder einem anderen ‹verborgenen› Merle-Hund) verpaart, so kann es zur Geburt von kranken Weisstigern kommen.
Vor allem bei Hunden mit Extremscheckung kann es schwer sein, einen heterozygoten Merle-Hund (Mm) von einem Weisstiger zu nterscheiden. Die Extremscheckung ist typisch beim weissen Bullterrier, beim Dogo Argentino, bei manchen Parson und Jack Russell Terriern sowie bei einer ganzen Anzahl weiterer Hunderassen. Der extremgescheckte Hund ist fast ganz weiss, hat nur vereinzelte (oder
gar keine) Farbinseln im Bereich des Kopfes oder am Rutenansatz. (Mehr zur Scheckung lesen Sie in einem späteren Teil dieser Artikelserie.) Eine Rolle spielt dies vor allem bei Rassen, bei denen Scheckungs-Gene und Merle-Gene zugleich vorkommen, in Amerika sind dies etwa der Collie und der Chihuahua. Mit aus diesem Grund ist übrigens beim Australian Shepherd eine Weissscheckung, die mehr als ein Drittel der Körperoberfläche ausmacht, nicht erwünscht. Extrem gescheckte Merle-Hunde und Weisstiger kann man daran unterscheiden, dass beim Extremschecken die Kopfzeichnung symetrisch ist, beim Weisstiger sind die Flecken in der Regel unregelmässig zerrissen, oft ist auch die Nase nicht oder unvollständig pigmentiert. Endgültige Sicherheit bringt aber nur der Gentest.

Gentest
Seit wenigen Jahren ist die genetische Grundlage des Merle-Faktors bekannt, mittlerweile wird auch ein kommerzieller Gentest angeboten.
Dieser wird vor allem bei Rassen empfohlen, bei denen es ‹verborgene› (kryptische) Merle-Hunde geben kann – wie eben beim Chihuahua.
In der Zuchtpraxis ist dieser Test allerdings auch kritisch zu betrachten. Speziell beim Chihuahua bedeutet es nämlich, dass man längerfristig jeden Zuchthund testen lassen müsste denn bei sehr vielen beliebten e –Farbschlägen (hellcreme, gelb, weissgescheckt etc.) ist es fast unmöglich, Merle sicher aufgrund seiner optischen Erscheinung zu identifizieren.
Bisher war es so, dass die breite Farbpalette in dieser Rasse, in der es keinerlei Zuchteinschränkungen hinsichtlich der Farbe gab, auch zu einer breiten genetischen Basis geführt hat. Wird nun der Merle-Farbschlag weiter propagiert, so fallen entweder viele mögliche Zuchtpartner nur wegen der Farbe weg (was die genetische Breite einschränken würde) oder alle Züchter werden gezwungen, ihre Zuchtpartner auf Merle testen zu lassen (was mit erheblichen Mehrkosten verbunden ist).
Nicht ohne Grund stellen sich viele europäische Chihuahuazüchter gegen die Merlezucht.

Mit freundlicher Genehmigung von
Frau Dr. met. vet. Anna Laukner
und der Redaktion Schweizer Hunde Magazin
( RORO-PRESS Verlag AG )

Dr. Anna Laukner
geb. 1969, studierte von 1989-95 in München Veterinärmedizin und schrieb ihre Dissertation über die Fellfarbe beim Hund - ein Thema, das neben Hundezucht ganz allgemein und seltenen Hunderassen noch heute ihr Interessenschwerpunkt ist und mit dem sie sich viel und gerne beschäftigt (unter anderem schrieb sie mehrteilige Artikelserien für das Schweizer Hundemagazin rund um die Fellfarben beim Hund). Nach tierärztlicher Tätigkeit im Bayrischen Wald, in Stuttgart und zuletzt auf Ibiza arbeitet Dr. Anna Laukner mittlerweile wieder in Deutschland. Neben ihrer tierärztlichen Tätigkeit ist sie als Buchautorin und Illustratorin bekannt. Ihr "Taschenatlas Kleine Hunderassen" ist 2011 beim Ulmer Verlag erschienen.

_________________
Der Hund braucht sein Hundeleben. Er will zwar keine Flöhe haben, aber die Möglichkeit, sie zu bekommen.
(Robert Lembke)
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